Todkrank im Tropenparadies: Wie mich eine Bruschetta fast umbrachte

Indonesien-Urlaub endet im Albtraum!

Ein Abend am Strand, Palmen im Wind, die Sonne taucht alles in Rosa – perfekt, dachte ich. Doch manchmal hat das Leben andere Pläne: Ein harmloser Bissen genügte, um die schlimmste Odyssee meines Lebens zu starten. Wie mich eine Bruschetta fast ins Jenseits beförderte und warum ich plötzlich auf einer indonesischen Insel festsaß – das erfährst du in diesem Beitrag.

Flugzeug

Prolog

Ende Juli 2025.

Die Sonne steht tief über Lombok und färbt den Himmel rosa. Mein Freund und ich sitzen in einem hippen Restaurant direkt am Strand – Palmen, Meeresrauschen, perfekter Sonnenuntergang. Den Laden habe ich ausgesucht. Mir ist er aufgefallen, als wir am Nachmittag mit dem Roller die Küste hoch und runtergefahren sind.  Ein besserer Ort für unseren letzten Abend auf der Insel, bevor es weiter nach Gili Air geht, ist kaum vorstellbar.

Ich nehme einen großen Schluck von meinem Drink. Das Leben ist gut.

Drei Wochen Indonesien liegen hinter uns. Keine Pannen, keine Krankheiten, kein berüchtigter Bali Belly. Ich bin stolz. So stolz, dass ich mir innerlich selbst zuproste und mir auf die Schulter klopfe. Siehst du, alles richtig gemacht, denke ich zufrieden.

Mein Freund vertieft sich in die Speisekarte, als müsse er sie später verteidigen.
„Die haben hier auch griechisch!“, sagt er begeistert. Ich frage mich kurz, ob durch seine Adern nicht eher Tzatziki als Blut fließt.

„Und italienisch. Guck, Bruschetta“, entgegne ich. Er: Team Griechenland. Ich: Team Italien.

Normalerweise sollte man misstrauisch werden, wenn ein Restaurant kulinarisch um die ganze Welt reist. Aber nicht hier. Hip, modern, teuer – fast schon europäisch. Zwar habe ich ein leicht schlechtes Gewissen, weil man ja immer wieder hört, dass internationale Restaurants die kleinen lokalen Warungs verdrängen. Aber seien wir ehrlich: Mit Bruschetta kriegen die mich.

Dabei habe ich mir geschworen: kein rohes Gemüse, kein ungeschältes Obst, keine Experimente. Lebensmittelvergiftungen passieren anderen. Aber hier kann nichts passieren. Das Restaurant ist vertrauenswürdig. Sicher. Das erkennt mein geübter Blick sofort. Schließlich habe ich alle Folgen Rosins Restaurants gesehen und weiß, worauf es ankommt.

Ich bestelle Bruschetta.

Mein Freund sagt nichts. Lässt mich gewähren. Wahrscheinlich genießt er den Moment, in dem ich es mal locker sehe und ihm nicht die Eiswürfel in seiner Cola verbiete. Wir bestellen, teilen, essen. Griechisch, italienisch, Reis, Nudeln. Die Sonne versinkt im Meer. Und ich weiß: So fühlt sich ein perfekter Reiseabschluss an.

Die Bruschetta sieht das anders.

Nahtoderfahrung

Ungefähr 42 Stunden später.

Ich liege in meinem Apartment auf Gili Air. Eigentlich wäre ich jetzt gerade auf einem coolen Boot bei einem Tauchausflug. Aber ich kann nicht. Ich bin krank. So richtig krank. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich überleben werde.

Seit ca. 18 Stunden bin ich ans Bett gefesselt und kann mich kaum bewegen. Mir ist schlecht, ich habe Fieber und Magenkrämpfe, die mich sicher sein lassen, dass ich jetzt weiß, wie sich eine Geburt oder zumindest ein Blinddarmdurchbruch anfühlen muss. Es ist passiert. Das, wovor ich immer Angst hatte. Ich habe eine Lebensmittelvergiftung. Und es ist schlimmer, als ich es mir vorgestellt habe.

In diesem Bett auf Gili Air schließe ich mit meinem Leben ab. Es hat keinen Sinn mehr, weiß ich. Denn neben den körperlichen Beschwerden quälen mich auch seelische. Morgen ist Abreisetag. Es soll von Gili Air mit der Fähre nach Bali gehen. Und übermorgen mit dem Flieger von Bali zurück nach Deutschland. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht schaffen werde, dieses Bett zu verlassen. Ich weiß nicht, wie es für mich weitergehen wird. Es wäre das Einfachste für alle, mich hier wie eine sterbende Löwin zurückzulassen.

Gerade als der nächste Magenkrampf einsetzt, öffnet sich die Tür des Apartments. Ich bin sicher, dass gerade ein Engel erschienen ist, um mich abzuholen und mich ins helle Licht zu führen. Irgendwie bin ich ein bisschen enttäuscht. Habe ich mir mein Ableben doch ein wenig spektakulärer vorgestellt. Und sagt man nicht auch, dass in dem Moment, in dem man stirbt, das ganze Leben an einem vorbeizieht?

Wo ist jetzt mein persönlicher Kinofilm meines Lebens? Ich fühle mich betrogen.
Vom Leben.
Vom Tod.
Von der Bruschetta.

Plötzlich baumelt eine weiße Plastiktüte vor meiner Nase. Und ich erkenne: Die Gestalt, die das Apartment betreten hat, ist gar kein Engel, sondern mein Freund, der von seiner Apotheken-Shoppingtour zurück ist.

„Hier. Die Medikamente“, sagt er und setzt sich neben mich auf das Bett. Er packt die Tüte aus. Vier verschiedene Schachteln mit Pillen und Pulver hat er mitgebracht und erklärt, was wofür ist, was ich wann und wie oft einnehmen muss.

Ich höre nicht zu. Es bringt nichts. Diese Medikamente können nicht helfen. Sie verzögern meinen Tod nur. Es ist sowieso alles egal. Außerdem bin ich sauer auf ihn.

Wie kann es sein, dass ich immer aufpasse beim Essen, während er wie die Raupe Nimmersatt einfach alles in sich hineinschlingt, was er in die Finger bekommt? Ich kriege eine Lebensmittelvergiftung und er – der sich sogar in Ägypten mit Leitungswasser die Zähne putzt – kriegt nichts.

Na ja, fast nichts.
Er fühlt sich auch „krank“. Na klar. Nicht mal jetzt kann er mir meinen Auftritt lassen.

Während er eine kleine Erkältung hat, liege ich im Sterben. Aber das gönnt er mir nicht. Er versucht, mein Leid mit seiner Erkältung zu bagatellisieren. Das ist ganz klar.

Theatralisch lege ich meinen Handrücken auf meine Stirn und bringe mit ersterbender Stimme hervor:
„Kannst du mir die Packungen bitte aufmachen? Ich schaff’s nicht.“

Soll er sehen, wie ich leide. Dass ich gar nichts mehr kann. Dass ich kranker bin, als er es sich vorstellen kann. Das hier ist mein Drama, und das lasse ich mir nicht von seiner Erkältung mit ein paar Gliederschmerzen wegnehmen.

Mein Freund unterstützt mich. Er öffnet die Packungen und gibt mir die Tabletten. Ich nehme sie, schlucke sie mit ein wenig Wasser herunter und bete, dass ich nicht sofort wieder meinen ganzen Mageninhalt nach draußen befördern muss.

„Die Apothekerin hat gesagt, morgen sollte es wieder besser sein“, sagt mein Freund.

Das hoffe ich. Denn ich habe noch ziemlich genau 24 Stunden, bevor ich das Hotel verlassen und mit der Fähre übersetzen muss.

Ich lege mich wieder hin und schlafe ein. In der Hoffnung, dass morgen wirklich alles wieder gut ist.

Aufbruchstimmung

Die Nacht ist der blanke Horror. Immer wieder wache ich vor Schmerzen auf. Spätestens um 9 Uhr früh ist mir klar: Gar nichts ist besser geworden. Trotzdem bin ich verwundert. Ich lebe noch. Und ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Denn das bedeutet nun, dass ich in drei Stunden das Hotelzimmer verlassen und mit dem Boot – auf dem es keine Toilette gibt – 1,5 Stunden nach Bali fahren muss.

Und das ist nicht einmal das Schlimmste. Auf der Insel gibt es keine Autos. Kein Taxi. Das bedeutet, dass ich mit meinem 17-Kilo-Rucksack zum Hafen laufen muss. Und ich schaffe es aktuell gerade mal bis ins Badezimmer. Mit Pausen.

Meine Gedanken drehen endlose Kreise. Werde ich es bis zum Hafen schaffen? Wie viel Würde bleibt mir noch, wenn ich auf die Fähre kotze – vor allen anderen? Werden sie mich mitleidig ansehen oder mich behandeln wie eine Aussätzige?

Ich versuche wieder einzuschlafen. Jede Minute in diesem Bett auszukosten, als sei es mein letzter sicherer Ort. Aber es gelingt mir nicht.

Um 11 Uhr heißt es aufstehen und Sachen zusammenpacken. Gekrümmt ziehe ich meine Runden durch das Zimmer, sammle alles ein und stopfe es in meinen Rucksack. Vom Leben betrogen. Zur Kämpferin erzogen.

Als ich im Bad meine Kosmetikartikel in die dafür vorgesehene Tasche stopfe, fällt mein Blick in den Spiegel. Ich betrachte mich. Schäbig sehe ich aus. Ich habe seit zwei Tagen nicht geduscht, aber das ist mir egal. Wenn man stinkt, ist das meist nur für andere ein Problem. Man selbst merkt es nicht. Ungefähr genauso, wie wenn man tot ist. Oder dumm.

Mit letzter Kraft schließe ich meinen Rucksack. Dann lasse ich mich erschöpft aufs Bett fallen. Im Leben schaffe ich es nicht, diesen Rucksack zu tragen. Und im Leben schaffe ich es nicht, mit diesem Boot zu fahren, ohne eine Havarie auszulösen.

Mein Freund hat Mitleid mit mir und spricht mir Mut zu. Seinen Optimismus kann ich jetzt nicht ertragen. Es geht mir schlecht, und das will ich ausleben. Hier ist kein Platz für Hoffnung.

Plötzlich klopft es an die Tür.

Doch keine Aufbruchstimmung

Mein Freund geht zur Tür, schiebt den Vorhang beiseite und öffnet sie. Vor ihm steht unser Host. Sie weiß über meinen Zustand Bescheid (und auch über den meines Freundes, aber das ist zu vernachlässigen – das hier ist mein Auftritt, mir geht es eindeutig schlechter als ihm) und hat uns freundlicherweise angeboten, uns mit den Fährtickets zu helfen.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr, weiß ich. Sie wird uns die Tickets aushändigen, und dann werde ich meinen persönlichen Walk of Shame antreten müssen.

Aber es kommt anders.

„No ferry“, erklärt sie. Ich reiße die Augen auf.
Wie, no ferry, denke ich.

„Wie, no ferry?“, fragt mein Freund.

„The weather too bad. Big waves. No ferry today.“

„And later?“, fragt mein Freund in seinem besten Schulenglisch.

„No, no“, antwortet sie. „All day no ferry. Because of the weather.“

Ich sacke in mich zusammen. Mein Freund steht da wie angewurzelt.

 „Scheiße“, sagt er.
Scheiße, denke ich.

Dann plötzlich: ein inneres Feuerwerk. Ein Regenbogen taucht vor meinem inneren Auge auf. Konfetti. Ich beginne fast zu schweben.

„Gott, das ist voll gut“, sage ich. „Wir verlängern um eine Nacht und nehmen morgen früh die Fähre. Unser Flug geht erst um 16 Uhr oder so. Das schaffen wir locker.“
Ein breites Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. Zum Glück habe ich den Flug gebucht. Zum Glück plane ich immer genug Puffer ein. Ich bin eine gute Planerin. Das ist jetzt wohl endgültig bewiesen.

Mein Freund denkt kurz nach. Dann ist auch er begeistert. Schnell klärt er alles mit unserem Host und sie gibt ihr Go.

Ich kuschle mich wieder in mein Bett ein. Es gibt doch noch ein Happy End, weiß ich. Jetzt habe ich locker noch 16 Stunden. Bis dahin wird es ja wohl besser sein. Ich schöpfe neuen Mut. Das Universum ist auf unserer Seite.

Während mein Freund die Tür schließt und sich ebenfalls wieder ins Bett begibt, überkommt mich der nächste Magenkrampf aus der Hölle. Aber dieses Mal bin ich tapfer. Nur eine kleine Träne rinnt mir über mein Gesicht.

Big Problem

Etwa zehn Minuten später klopft es erneut an der Tür.

Unser Host.
„Big problem“, sagt sie. „Tomorrow no ferry. Big waves.“

Keine Fähre. Heute nicht. Morgen nicht.

Das Blut rauscht in meinen Ohren. Die Welt steht still. Irgendwo fliegt ein Vogel rückwärts.

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